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Loxone KNX-Extension und neuer Miniserver – Umstieg Ja oder Nein?

Lesezeit: 5 Minuten

Loxone hat vor zwei Wochen neben der neuen Software ebenfalls neue Hardware vorgestellt. Der bisherige Miniserver (Gen1) ist im Jahr 2010 herausgekommen und hat nun damit bereits zehn Jahre auf dem Buckel. Seit dem er herausgekommen ist hat man also vermutlich bereits das zweite mal sein Notebook oder Smartphone ausgetauscht. Der Miniserver selbst aber kann nach wie vor, ohne viele Leistungseinbußen in Projekten verwendet werden.

Ich habe dieses Jahr (2019) mein neues Haus inklusive SmartHome bezogen. Eingesetzt habe ich dabei vor allem Loxone in Verbindung mit 1Wire, KNX sowie einem Raspberry. Für mich stellt sich nun klar die Frage: Bringt es mir etwas den Server auszutauschen? Kann ich meinen Miniserver Gen1 noch verwenden oder muss ich auf die neue Generation des Miniservers wechseln?

Was sind daher die Wesentlichen Änderungen:

  • keine KNX-Schnittstelle mehr
  • integrierte Treeschnittstelle
  • Leistungsstärkere Relayschnittstellen
  • IPv6 Unterstützung
  • SSL Unterstützung
  • mehr Leistung durch bessere Prozessor
  • PushIn statt Schraubklemmen

Update 22.04.2020:
Tatsächlich sind 1GB an Arbeitsspeicher im neuen Server verbaut. Dadurch hat er deutlich mehr Leistung als der bisherige (16fache Speichergröße)

Loxone Miniserver Gen1 Loxone Miniserver Gen2 Bemerkungen
Schnittstellen– 8 digital Eingänge
– 8 digitale Ausgänge (Relay) mit 250V/5A (cos=1 & 30V/5A)
– 4 analoge Eingänge (0-10V (Ri=10k))
– 4 analoge Ausgänge (0-10V, max. 20mA)
– KNX/EIB-Schnittstelle
– Loxone-Link (max. 30 Geräte)
– LAN 100 Mbps
– 8 digital Eingänge
– 8 digitale Ausgänge (Relay) mit 250V/10A (cos=1 & 30V/10A)
– 4 analoge Eingänge (0-10V (Ri=10k))
– Tree-Verbindung (max 50 Geräte)
– Loxone-Link (max. 30 Geräte)
– LAN 100 Mbps
– SSL
– SD-Karte oben
keine monostabilen Relais in beiden Varianten
Leistungsaufnahmetypisch: 2,1 W
maximal: 4,32 W
typisch: 1,85 W
maximal: 3 W
Leistungsverlustmax. 8,6 Wmax. 6,7 W
HardwareSingle-Core CPU
SDRAM: 64MB
Quadcore CPU
DDR3-RAM: 64MB 1GB
AbmessungenGröße: 156 x 88 x 57 mm (9 TE)
Gewicht: 327g
Größe: 157 x 88 x 57 mm (9 TE)
Gewicht: 327g
AnschlussklemmenSchraubklemmen: 0,05 – 2,5mm²PushIn-Klemmen: 0,25-0,8mm²
Schraubklemmen (Relay-Schnittstellen): 0,05 – 2,5mm²
bei Austausch beachten dass eventuell Kabel getauscht werden müssen

Was bedeuten diese Änderungen nun für mich mit meinem alten Miniserver?

Diese Gedanken habe ich mir nach den Infos immer wieder gestellt. Soll ich auf den neuen Miniserver umsteigen? Ich habe mir letztendlich die Änderungen im Bezug zu meinem Haus einfach angesehen und durchdacht. Fangen wir mit den kleinen Änderungen an, die für mich keine so großen Auswirkungen hätten:

IPv6 Unterstützung, SSL Unterstützung, PushIn statt Schraubklemmen

IPv6 ist ein neueres Protokoll für die Adressierung von Geräten mit Netzwerkschnittstelle. Bisher hat vermutlich jeder von euch noch IPv4, den Vorgänger, im Einsatz. Neben neuen Sicherheitsfunktionen ist der wesentliche Vorteil von IPv6, dass mehr IP-Adressen zur Verfügung stehen. Für den privaten Gebrauch ist dieses Feature aber nicht relevant.
Interessanter sind SSL Unterstützung und PushIn Klemmen. Ersteres ist ganz klar ein neues Sicherheitsfeature. Bisher wurden die Daten die Ihr vom und zum Miniserver über das Netzwerk sendet (Programmierung, UDP-Eingänge oder -Ausgänge) unverschlüsselt versendet. Jeder der im selber Netzwerk ist wie der Miniserver könnte daher „mitlesen“. Das können entweder andere Personen sein oder auch Geräte oder Software die durch Schadsoftware wie Trojaner oder Viren infiziert sind. Insbesondere ist die SSL Unterstützung auch im gewerblichen Bereich ein erheblicher Vorteil. Hier gibt es meist Regelungen durch die IT, dass Verschlüsselung eingesetzt werden muss. Der neue Miniserver von Loxone unterstützt es damit nun auch.
Für Aufrüster wie mich sind die neuen Klemmen ebenfalls interessant. Die PushIn-Technik bedeutet im privaten Rahmen eigentlich keinen wirklich Mehrwert (zumindest habe ich für mich bisher keinen entdeckt). Statt wie bisher werden die Kabel nicht mehr angeschraubt sondern nur eingesteckt. Für gewerbliche Anwender, die Loxone bei Kunden einbauen, bietet die PushIn Technik Zeitersparnis bei der Verdrahtung. Das Kabel muss nur noch eingesteckt werden, jedoch nicht mehr festgeschraubt werden. Ein Vorteil von Schraubklemmen dagegen ist, dass auch mehrere Kabel oder flexible Leitungen angeklemmt werden können. Bei PushIn-Technik ist dies nicht mehr so einfach. Bei einem Austausch müsste daher vermutlich auch die Verkabelung angepasst werden, was zeitaufwendig ist (starre Kabel, eventuell geringerer Querschnitt).
Von den drei Punkten ist für mich eigentlich nur die SSL Unterstützung interessant, wobei die PushIn Technik sogar eher Nachteile und Mehraufwand erzeugt.

mehr Leistung im Loxone Miniserver Gen2

Jetzt kommen wir zu eigentlichen verbesserten Technik des neuen Miniservers. Beim bisherigen Modell waren die Relayschnittstellen nicht für größere Verbraucher gedacht. Die Relais auf dem alten Server konnten maximal 1250Watt Leistung vertragen. Hier musste man aufpassen welche Endgeräte damit geschalten werden. Problematisch dabei sind Motoren von Garagentoren oder Markisen da diese einen hohen Anlaufstrom haben.
Genauso schlecht waren zum Teil auch normale Steckdosen. An diese kommen in der Regel Teilnehmer die keine so hohe Leistung benötigen (denkt man). Jedoch kann man an Steckdosen auch einfach „mal schnell“ einen alten Staubsauger mit 1600Watt anstecken – und zack ist das Relais hinüber.
Beim neuen Miniserver hat sich die Leistung der Relais verdoppelt. Man muss zwar immer noch aufpassen und bei höheren Leistungen die Loxone Relais Extension verwenden. Aber die Einschränkungen haben sich doch veringert.

Die reine Hardware des Miniservers wurde auf die aktuellen CPU und Speicherleistungen aktualisiert. Die CPU hat nun vier Kerne statt nur einem. Dadurch kann der Miniserver mehrere Arbeiten gleichzeitig mit seinem Prozessor verarbeiten und hat gerade bei größeren Projekten mehr Leistungsreserven. Eine Erneuerung des Speichers hat ebenso stattgefunden. Es sind zwar immer noch 64MB (etwas mehr wäre schon schön gewesen), aber dafür ist es nun ein DDR3 und damit auch dreimal so schnell wie bisher.
Durch die neue Hardware verringert sich der Speicherverbrauch bei größeren Projekten. Es muss daher nicht ein zusätzlicher Miniserver angeschafft werden, wenn es hier eng wird.

Zusätzlich ist ein bisher großes Manko am Miniserver beseitigt worden: Der SD-Kartenslot ist nun auf der Oberseite. Damit gestaltet sich ein Austausch der Karte deutlich einfacher. Bisher musste man links vom Miniserver entweder Platz lassen, den Miniserver ausbauen oder einen Adapter verwenden.

integrierte Schnittstellen

Der Neue hat nun eine Treeschnittstelle. Dies ist ein proprietäres Protokoll vom Hersteller Loxone. Damit können Tree-Produkte von Loxone einfacher verkabelt werden, als jedes einzelne Produkt zum Verteiler zu führen. Die Verkabelung verästelt sich wie in einem Baum.
Der Miniserver kann bis zu 50 Tree-Geräte verwaltet. Ab dem 51. ist eine Tree-Extension notwendig. Diese kann 2x 50 Geräte (sie hat zwei sogenannte Äste).
Ein großes Manko ist der Wegfall der KNX-Schnittstelle. Diese muss nun ebenfalls separat über eine eigene KNX-Extension nachgerüstet werden. Leider ist auch die Schnittstelle nicht zertifiziert, genauso wie im alten Miniserver. Damit können leider die KNX-Geräte auch nicht direkt programmiert werden, sondern müssen über die ETS-Software eingestellt werden. Anschließend nimmt man diese in Loxone in Betrieb. Genauso ist die Schnittstelle auf 500 Gruppenadressen limitiert (nicht Geräte). Eine komplett zertifizierte Schnittstelle wäre hier schon ein großes Fortschritt um sich Aufwand zu sparen. Allerdings gab es beim alten Miniserver nicht die volle KNX-Bus Geschwindigkeit. Dies soll nun der Vergangenheit angehören.

Preisliche Unterschiede

Der Miniserver hat natürlich auch wieder seinen Preis: 648,19€ kostet der Neue, ein Unterschied von 108,13€
Ob sich finanziell eine Umrüstung lohnt, wage ich für die meisten zu bezweifeln. Hier ist die Tree-Extension schon im Einsatz die eingespart werden könnte. Sinnvoll ist eine Umrüstung für mich und vermutlich andere erst wenn zwingend SSL oder IPv6 eingesetzt werden muss. Oder, was vermutlich früher eintritt: Wenn der Speicher nicht mehr ausreicht. Dann wird es jedoch eher so sein, dass der neue Miniserver Gen 2 zusätzlich einzieht.
In einem eher theoretischem Szenario könnte noch die Erweiterung einer bestehenden Anlage mit Tree-Produkten anstehen. Hier könnte man den „alten“ Miniserver gebraucht verkaufen. Der neue hätte Tree Anbord und man würde sich in 10 Jahre noch ca. 50€ Stromkosten sparen. Das wäre aber dann schon ein sehr theoretisches Szenario um sich die Umrüstung schön zu rechnen, oder was denkt ihr? Lohnt sich der Kauf bei euch?

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